© Catherine Lambermont / DARGAUD

„Ich denke niemals an den Leser: Ich schreibe für mich selbst.“

Überraschende Worte von einem, der seit über 25 Jahren so konstant den Geschmack des französischsprachigen Publikums trifft wie kaum ein anderer Comic-Autor. Doch vielleicht liegt gerade darin das Erfolgsgeheimnis des Jean Dufaux, der keiner Mode hinterherläuft, sondern lieber selbst die Maßstäbe setzt:

„Die Geschichten, die ich schaffe, müssen erst einmal mir selbst gefallen.“

Geboren wird Jean Dufaux am 7. Juni 1949 im belgischen Ninove. Dufaux ist zwölf Jahre alt, als er nach dem Tod seines Vaters zunächst auf ein Internat geschickt wird, wo er seine große Leidenschaft fürs Lesen entdeckt. Auch das Kino hat es ihm jedoch angetan, was ihn schließlich zu einem Studium an der Filmhochschule Institut des Arts de Diffusion in Brüssel führt. Von 1969 bis 1973 eignet er sich hier das cinematographische Handwerkszeug an, das ihm später auch beim Schreiben seiner Comics von großem Nutzen sein sollte.

Doch danach sieht es erst einmal gar nicht aus: Nach seinem Studium arbeitet Dufaux zunächst als Journalist für die Kino-Fachpresse. Erst 1983 wendet er sich verstärkt den Comics zu, seine erste Anlaufstelle ist dabei das traditionsreiche belgische Magazin Tintin, für das er viele Auftragsarbeiten anfertigt. In seiner ersten Serie Brelan de dames (als Co-Szenarist von Jean-Luc Vernal) arbeitet er 1983 mit dem Zeichner Renaud (Renaud Denauw) zusammen – wie es sich zeigen sollte nicht zum letzten Mal.

1986 fasst Dufaux mit den Serien La Toile et la dague und Beatifica Blues Fuß beim renommierten Verlagshaus Dargaud.

Besonders Beatifica Blues mit seinem postapokalyptischen, an Bilal angelehnten Szenario liegt Dufaux dabei sehr am Herzen: Griffo (Werner Goelen), der Zeichner dieser Serie, wird neben Renaud zu seinem wichtigsten Partner in der Umsetzung seiner Plots und Ideen. Im Universum von Beatifica Blues spielt in den 90ern auch Samba Bugatti.
Gegen Ende der 80er sind die Lehrjahre des Jean Dufaux dann endgültig vorüber, und es entstehen einige seiner bis heute bekanntesten Serien – allen voran 1987 das Krimi-Abenteuer Jessica Blandy – wieder in Zusammenarbeit mit Renaud.

Hier gibt Dufaux seiner Erfolgsserie, von der bis heute im Originalverlag Dupuis weit über 20 Bände vorliegen, erstmals einen ausgefeilten psychologischen Unterbau, was sich später zu einem Markenzeichen des Szenaristen entwickelt.

Im gleichen Atemzug entsteht 1988 mit Griffo Giacomo C., eine im historischen Venedig spielende freie Verarbeitung des Casanova-Motivs.
Schon in dieser Phase seines Schaffens wird die große Vielseitigkeit Dufauxs deutlich, der sich in jedem Genre heimisch zu fühlen scheint und sich dennoch seinen ganz besonderen Erzählstil mit hohem Wiedererkennungswert bewahrt. Immer ist er auf der Suche nach neuen Zeichnern für seine Geschichten.

Auch Anfang der 90er Jahre lanciert Dufaux viele weitere neue Serien, die allerdings zum großen Teil nicht auf deutsch vorliegen. Darunter zählt die Serie Fox, die er zusammen mit Jean-François Charles herausbringt. Er erarbeitet sich zu dieser Zeit in der frankobelgischen Comicszene einen Namen als ‚der produktive Jean‘ (Jean le prolifique).

Seine künstlerischen und literarischen Vorbilder und Einflüsse würdigt er von 1991 bis 1996 mit One-Shots: Sade, Pasolini, Balzac, Hemingway und Hammet.
Das passt, denn die in der literarischen Öffentlichkeit oft gezogene Grenze zwischen ernsthafter und Populärliteratur lässt der Erfolgsautor nicht gelten: „Lesen, das ist doch zuallererst einmal eine Sache des Gefühls.“

Derweil finden auch fantastische Elemente mehr und mehr Eingang in seine Werke, so z. B. 1994 mit Monsieur Noir, das im Originalverlag Dupuis im anspruchsvollen Label Aire Libre erscheint.

Doch Dufaux bleibt sich treu und lässt sich keineswegs auf ein einziges Genre festlegen. Ob 1997 mit dem historischen Monumentalcomic Murena, 1999 mit dem zeitgenössischen Thriller Niklos Koda, 1999 mit der historisch-fantastischen Roten Kaiserin oder seit 2001 mit dem im Orient spielenden erotischen Thriller Djinn.

Dufauxs Vielseitigkeit bleibt eines seiner bestechendsten Merkmale. Und so können sich seine Fans weiterhin auf viele neue und abwechslungsreiche Serien aus seiner Feder freuen, denn „nicht schreiben, das könnte ich nicht.“

Bibliographie

auf deutsch
1985–1990
1989–1991
1989–1994
1989–heute
1992
1992–heute
1993
1994–1997
1994–2000
1996–1998
1997
1998–2002
1998–heute
1999–2006
1999
2000–2008
2000–2009
2001–heute
2002–2003
2008–2010
2008
2010–heute
2010–heute
2011
2011–heute
2012–heute
2013–heute
2013–heute
2013–heute
Der Herr des Zaubernebels
Die Kinder des Salamander
Beatifica Blues
Giacomo C.
Sade
Jessica Blandy
Hemmingway
Samba Bugatti
Das verlorene Land
Monsieur Noir
Hammett
Die Verfolger der Krone
Murena
Schattenspiele
Rapaces
Die Rote Kaiserin
Niklos Koda
Djinn
Raubtiere
Kreuzzug 
Die Unterwelt (Neustart als Saria)
Ritter des verlorenen Landes

Der Wald der Jungfrauen
Dixie Road
Barracuda
Saga Valta
Conquistador

Zauber
Saria
Originalserien
1983–1988
1985–1987
1985–1989
1986
1986–1989
1987–1989
1987–2006
1988–1990
1988–1991
1988–2005
1990–1991
1990–1992
1991
1991–1994
1991–1996
1991–1998
1992
1992–1997
1992–1997
1993
1993–2002
1993–heute
1994
1994–1995
1996
1997–2001
1997–heute
1998–2000
1998–2003
1998–2004
1999
1999–2003
1999–2008
2001–heute
2001–2005
2001–2009
2002
2004–heute
2005–2008
2007
2007–heute
2008–heute
2009–2011
2010–heute
2010–heute
2010–heute
2011–heute
2012
2012–heute
2012–heute
2012–heute
2012–heute
2012–heute
Brelan de dames
Melly Brown
Beatifica Blues
Lucius
La Toile et la dague
La Maître des brumes
Jessica Blandy
Les Enfants de la Salamandre
Les Jardins de la peur
Giacomo C.
Gotcha
Chelsy
Sade
Avel
Santiag
Fox
Hemingway
Samba Bugatti
Sang-de-lune
Pasolini
Les Voleurs d’empires
Complainte des Landes Perdues
Balzac
Monsieur Noir
Hammett
Dixie Road
Murena
Les Révoltés
Rapaces
Ombres
Arnold le rêveur
L’imperatrice rouge
Niklos Koda
Djinn
Jaguar
Les Rochester
Le jeune Renaudin
Double masque
Vénus H.
Les Enfers
Croisade

Les Bois des vierges
Jessica Blandy – La route Jessica
Barracuda
Medina
Nomade
Lady Elza
Saria
Conquistador
Dakota
Saga Valta
Loup de pluie

Sortilèges
Kategorien: Künstler

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